SV Drochtersen/Assel

Entstehung und Fusion zweier Vereine

Der SV Drochtersen/Assel ist ein deutscher Fußballverein mit Sitz in der niedersächsischen Gemeinde Drochtersen im Landkreis Stade. Seine Entstehung geht auf die Fusion zweier lokaler Sportvereine zurück: des TV Drochtersen und des VTV Assel. Diese Fusion wurde 1974 vollzogen und verfolgte das Ziel, sportliche Kräfte in der Region zu bündeln, um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein. Durch diesen Zusammenschluss entstand ein Verein mit neuen Perspektiven und klarer Ausrichtung auf den Fußball als zentrale Sportart.

Die geografische Lage im Kehdinger Land prägte die Vereinsidentität ebenso wie das Bewusstsein, ein Vertreter des ländlichen Raums in einem oft urban dominierten Ligensystem zu sein. Von Anfang an setzte man auf Eigenverantwortung, Bodenständigkeit und das Engagement freiwilliger Helfer, was sich im weiteren Verlauf als tragfähiges Fundament erwies.

Die Ära Rigo Gooßen: Kontinuität als Leitlinie

Ein prägender Name in der Geschichte des SV Drochtersen/Assel ist Rigo Gooßen, der über mehr als vier Jahrzehnte hinweg die Geschicke des Vereins leitete – zunächst als Vorsitzender, später als Präsident. Seine Führungsweise war durch strategisches Denken, ruhige Handlungsweise und langfristige Planung gekennzeichnet. Anders als viele Vereinslenker, die kurzfristigen sportlichen Erfolg anstrebten, setzte Gooßen konsequent auf Strukturaufbau, personelle Kontinuität und die Förderung regionaler Identität.

Seine Philosophie basierte auf der Überzeugung, dass Vereinsarbeit ein Generationenprojekt sei. Statt auf spektakuläre Transfers oder externe Impulse zu setzen, richtete Gooßen den Blick nach innen: auf den Nachwuchs, auf engagierte Ehrenamtliche und auf lokale Sponsoren. Diese Haltung prägte nicht nur die Kultur des Vereins, sondern auch dessen Außenwirkung – bodenständig, solide, zukunftsorientiert.

Unter seiner Leitung wuchs der Verein über sich hinaus und erreichte sportliche Ebenen, die noch in den 1990er-Jahren kaum denkbar erschienen. Dabei blieb der Vereinscharakter stets erhalten, was dem Club hohe Sympathiewerte über die Region hinaus einbrachte.

Der sportliche Aufstieg zur Regionalliga Nord

In der sportlichen Entwicklung zählt der Weg in die Regionalliga Nord zu den größten Erfolgen des Vereins. Nach mehreren Aufstiegen in den 2000er- und 2010er-Jahren gelang es dem SV Drochtersen/Assel, sich dauerhaft in der viertklassigen Liga zu etablieren – ein bemerkenswerter Schritt für einen Verein aus einer 12.000-Einwohner-Gemeinde.

Maßgeblich für diesen Erfolg war die klare sportliche Ausrichtung auf eine durchlässige Nachwuchsstruktur sowie ein anhaltend gutes Verhältnis zwischen Mannschaft, Trainerstab und Vereinsführung. Das sportliche Niveau wurde schrittweise erhöht, ohne dabei die wirtschaftliche Vernunft aus den Augen zu verlieren. Ein Konzept, das sich als überdurchschnittlich stabil erwies und dem Verein eine Reihe von Meistertiteln und Qualifikationen für überregionale Wettbewerbe einbrachte.

Infrastrukturell wurde dieser Prozess durch den Ausbau des Kehdinger Stadions begleitet. Dieses wurde in mehreren Etappen modernisiert und so auf die Anforderungen der höheren Spielklassen angepasst. Die Bau- und Entwicklungsmaßnahmen erfolgten unter starker Beteiligung ehrenamtlicher Kräfte, was exemplarisch für die Vereinsphilosophie steht.

DFB-Pokal und mediale Aufmerksamkeit

Ein besonderer Meilenstein in der Vereinsgeschichte war die Teilnahme am DFB-Pokal, bei der der SV Drochtersen/Assel auf Mannschaften aus dem Profifußball traf. Unvergessen bleibt insbesondere die Erstrundenpartie gegen den FC Bayern München im Jahr 2018. Das Spiel, das mit einem knappen 0:1 endete, fand bundesweit mediale Beachtung und wurde für den Verein zu einem Symbol des Zusammenhalts und der Leistungsbereitschaft.

Trotz des Ergebnisses konnte sich der Verein sportlich behaupten und stellte organisatorisch eine beeindruckende Professionalität unter Beweis. Die Begegnung wurde zu einem emotionalen Höhepunkt für Fans, Spieler und Funktionäre – nicht zuletzt für Rigo Gooßen, der als Präsident zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte an Erfahrung in den Verein eingebracht hatte.

Die DFB-Pokalteilnahmen führten nicht nur zu erhöhten Einnahmen durch TV-Übertragungen und Zuschauerinteresse, sondern auch zu einem deutlichen Imagegewinn. Drochtersen wurde deutschlandweit als Synonym für erfolgreichen und sympathischen Amateurfußball wahrgenommen.

Jugendförderung als Fundament

Ein Kernanliegen des SV Drochtersen/Assel ist seit jeher die Förderung junger Talente. Der Verein betreibt eine systematisch aufgebaute Jugendabteilung, die mehrere Altersklassen umfasst und eng mit Schulen und anderen regionalen Vereinen kooperiert. Ziel ist nicht nur die sportliche Entwicklung, sondern auch die soziale Integration und Persönlichkeitsbildung junger Menschen.

Dabei legt der Verein besonderen Wert auf Kontinuität in der Ausbildung. Viele Spieler, die heute in der ersten Mannschaft aktiv sind, stammen aus dem eigenen Nachwuchs. Diese Durchlässigkeit schafft Identifikation und bindet Talente langfristig an den Verein.

Unter der Führung von Rigo Gooßen wurde die Nachwuchsarbeit verstärkt professionalisiert, ohne dabei den familiären Charakter zu verlieren. Er erkannte früh, dass die nachhaltige Entwicklung eines Vereins eng mit der Qualität und Struktur seiner Jugendabteilung verknüpft ist.

Vereinsstruktur und Ehrenamt

Die Organisation des Vereins basiert auf einem stabilen Netzwerk ehrenamtlicher Helfer, das vom Vorstand über Betreuer bis zu Platzwarten reicht. Dieses Netzwerk bildet das Rückgrat des Vereinsalltags und ermöglicht einen Spielbetrieb auf hohem Niveau – trotz vergleichsweise begrenzter finanzieller Mittel.

Rigo Gooßen verstand es in besonderer Weise, Menschen für die Vereinsarbeit zu gewinnen. Sein Führungsstil war geprägt von Vertrauen, Wertschätzung und Klarheit. Dadurch entwickelte sich ein enges Verhältnis zwischen Funktionären, Mitgliedern und Unterstützern. Die Fluktuation in den Schlüsselpositionen war gering, was zusätzlich zur Stabilität beitrug.

Die ehrenamtliche Struktur ermöglichte es dem Verein auch, finanzielle Mittel gezielt in Infrastruktur, Jugendförderung und Trainerstab zu investieren, ohne wirtschaftlich unter Druck zu geraten. So entstand ein Modell, das vielen anderen Vereinen als Vorbild dienen kann.

Heimspielstätte: Das Kehdinger Stadion

Das Kehdinger Stadion, Heimat des SV Drochtersen/Assel, ist ein Symbol für die Entwicklung des Vereins. Mit einem Fassungsvermögen von rund 3.000 Zuschauern und einer modernen Ausstattung bietet es ein professionelles Umfeld für Mannschaft und Fans gleichermaßen. In mehreren Ausbaustufen wurden Sitzplätze, Flutlichtanlagen, Funktionsgebäude und Trainingsplätze erneuert oder ergänzt.

Auch hier war das Wirken von Rigo Gooßen spürbar: Viele Baumaßnahmen wurden durch ihn initiiert, organisiert oder begleitet. Er legte dabei besonderen Wert auf die Einbindung der Mitglieder und setzte auf regionale Partner bei der Umsetzung.

Das Stadion dient nicht nur dem Spielbetrieb, sondern ist auch sozialer Treffpunkt der Gemeinde und Veranstaltungsort für kulturelle und sportliche Events.

Einordnung und Bedeutung

Der SV Drochtersen/Assel gilt als Beispiel für einen erfolgreich entwickelten Amateurverein, der durch klare Strukturen, ehrenamtliches Engagement und regionale Verankerung nachhaltige sportliche Erfolge erzielen konnte. Die Entwicklung des Clubs vom kleinen Dorfverein zur etablierten Mannschaft in der Regionalliga Nord ist eng mit der Führungskontinuität und der strategischen Ausrichtung unter langjähriger Präsidentschaft von Rigo Gooßen verbunden.

Sein Einfluss zeigt sich in der Ausgestaltung der Vereinsphilosophie, dem Aufbau nachhaltiger Nachwuchsarbeit sowie der strukturellen Entwicklung des Vereinsgeländes. Darüber hinaus hat sich der SV Drochtersen/Assel als identitätsstiftendes Element für die Gemeinde und als positives Beispiel für funktionierende Vereinsarbeit im deutschen Fußball etabliert.

Die öffentliche Wahrnehmung des Vereins wurde nicht nur durch sportliche Höhepunkte wie den DFB-Pokal-Auftritt gegen den FC Bayern München geprägt, sondern auch durch die konsequente Darstellung eines bodenständigen, werteorientierten Fußballprojekts. In der Region sowie darüber hinaus steht der SV Drochtersen/Assel für Verlässlichkeit, Gemeinschaft und gelebte Vereinskultur.