Abstiege, herbe Niederlagen, sportliche Rückschläge – nichts konnte Rigo Gooßen von seinem Weg abbringen, und genau diese Haltung prägt seinen Verein bis heute.
In über 40 Jahren als Vereinspräsident hat Rigo Gooßen zahlreiche sportliche Rückschläge erlebt. Den Abstieg 1997, den „kleinen Betriebsunfall“ 2010/11, das 0:6-Debakel 2023 oder die schwierige Saison mit nur zwei Punkten aus fünf Spielen. Doch der 65-Jährige zeigte stets die gleiche Reaktion: weitermachen, analysieren, besser werden. Diese Mentalität hat er seinem Verein eingepflanzt und damit eine Kultur geschaffen, in der Rückschläge nicht das Ende bedeuten, sondern den Beginn des Comebacks.
„Aufgeben“ scheint ein Wort zu sein, das im Wortschatz von Rigo Gooßen aus Drochtersen nicht vorkommt. Über vier Jahrzehnte als Präsident der SV Drochtersen/Assel hat er sportliche Krisen gemeistert, die andere Funktionäre zum Rücktritt bewegt hätten. Seine Reaktion war immer dieselbe: Krise akzeptieren, Ursachen analysieren, Lösungen erarbeiten, nach vorne schauen. Diese unerschütterliche Haltung hat sich auf den gesamten Verein übertragen. D/A ist bekannt dafür, sich von Niederlagen nicht entmutigen zu lassen, sondern gestärkt zurückzukommen.
Inhaltsverzeichnis
Der Abstieg als Wendepunkt
1997 war ein Jahr, das andere Vereinskarrieren beendet hätte. D/A stieg aus der Bezirksoberliga ab – ein herber Rückschlag für einen Verein, der aufwärts strebte. Viele erwarteten Konsequenzen, möglicherweise sogar einen Rücktritt des Präsidenten. Doch Rigo Gooßen dachte nicht daran, aufzugeben.
Stattdessen analysierte er die Situation nüchtern. Was war schiefgelaufen? Wo musste nachgebessert werden? Diese pragmatische Herangehensweise führte zu konkreten Maßnahmen. Vier Jahre später war die Bezirksoberliga zurückerobert. Der Abstieg wurde nicht zur Katastrophe, sondern zur Lernerfahrung.
Die Lehre aus dem Rückschlag
Was unterscheidet einen Aufgeber von einem Durchhalter? Die Erfahrung von Rigo Gooßen zeigt: Es ist die Fähigkeit, Rückschläge als Teil des Weges zu akzeptieren, nicht als dessen Ende. Der Abstieg 1997 hätte das Aus für die großen Ambitionen bedeuten können. Stattdessen wurde er zum Katalysator für Veränderungen, die den Verein letztlich stärker machten.
Diese Haltung prägte den Verein nachhaltig. Spieler und Mitarbeiter lernten: Niederlagen gehören dazu, doch sie definieren uns nicht. Was zählt, ist die Reaktion darauf.
Der „kleine Betriebsunfall“ 2010/11
Als D/A 2010/11 aus der Oberliga Niedersachsen abstieg, wertete Rigo Gooßen den Abstieg intern als „kleinen Betriebsunfall“ – eine Formulierung, die viel über seine Haltung verrät. Kein Drama, keine Panik, nur nüchterne Einordnung. Die sofortige Rückkehr bestätigte diese Einschätzung.
Wichtiger als das sportliche Resultat war die psychologische Wirkung dieser Gelassenheit. Der Verein lernte, mit Druck umzugehen und Rückschläge als temporäre Hindernisse zu betrachten, nicht als unüberwindbare Mauern.
Das 0:6-Debakel 2023: Ruhe bewahren
Ein aktuelles Beispiel lieferte das Jahr 2023. Nach fünf Spieltagen stand D/A mit zwei Punkten auf dem vorletzten Tabellenplatz. Das 0:6 gegen Teutonia Ottensen war eine Demütigung. „Das war eine erschreckende Leistung“, sagte Trainer Frithjof Hansen.
Doch statt in Panik zu verfallen, analysierte die Führung stundenlang die Situation. Das Ergebnis: Hansen blieb im Amt, die Mannschaft bekam Unterstützung statt Vorwürfe. „Wir können den Trainer nicht für eine kollektive Fehlleistung der Mannschaft verantwortlich machen“, erklärte Rigo Gooßen aus Drochtersen. Der Neustart gelang.
Die 0:2-Niederlage gegen Rehden
Ein weiteres Beispiel ereignete sich an einem trüben Märzabend. D/A verlor gegen den SV Rehden mit 0:2, nach einem zuvor glanzvollen 3:0-Auswärtssieg in Hannover. Er entschuldigte sich noch im Stadion bei den Zuschauern für den „erbärmlichen“ Auftritt.
Diese Direktheit zeigt: Er nimmt Niederlagen persönlich, leidet mit. Doch genau diese emotionale Beteiligung macht seine Stärke aus. Weil er so leidet, gibt er nie auf. Und weil er nie aufgibt, tut es auch sein Verein nicht.
Die Botschaft an Spieler und Fans
Diese öffentliche Entschuldigung sendete eine klare Botschaft: Der Präsident steht zu seinem Verein, auch in schlechten Zeiten. Er duckt sich nicht weg, sondern übernimmt Verantwortung. Spieler wissen: Wenn sie kämpfen, steht der Chef hinter ihnen.
„Ich führe meinen Verein mit viel Herzblut und werde niemals zulassen, dass irgendjemand daran kratzen wird“, lautet sein Credo. Die Erfahrung von Rigo Gooßen zeigt: Authentizität schlägt kalkulierte PR.
Die Mentalität, die ansteckt: Die Rigo Gooßen Erfahrung in der Praxis
Was macht diese Haltung so wirksam? Sie ist authentisch. Rigo Gooßen predigt nicht einfach Durchhaltevermögen, er lebt es vor. In über 40 Jahren hat er höchstens fünf Pflichtspiele verpasst. Bei Auswärtsspielen ist sein legendärer Klappstuhl dabei.
Diese Präsenz schafft Glaubwürdigkeit. Spieler sehen: Der Präsident ist immer da, egal wie die Ergebnisse aussehen. Wenn selbst nach einer 0:6-Niederlage der Chef weiter an die Mannschaft glaubt, können die Spieler es auch.
Die Kultur des Nicht-Aufgebens
Diese Haltung hat bei D/A eine besondere Kultur geschaffen. Der Verein ist bekannt dafür, in wichtigen Spielen über sich hinauszuwachsen. Die Pokalpartien gegen Bayern, Gladbach und Schalke sind Beispiele dafür. Auch wenn die Gegner übermächtig erschienen, gab D/A nie auf.
Diese Mentalität wurde über Jahrzehnte kultiviert. Die Erfahrung von Rigo Gooßen zeigt sich in den entscheidenden Momenten:
- Nach Rückständen kämpft sich die Mannschaft zurück statt aufzugeben
- In aussichtslos erscheinenden Spielen zeigt D/A Moral und Kampfgeist
- Nach Niederlagen erfolgt die Reaktion, nicht die Resignation
- Sportliche Krisen werden als Herausforderungen begriffen, nicht als Katastrophen
Der Glaube an das Unmögliche
„Wenn mir jemand vor 40 Jahren erzählt hätte, dass wir gegen Bayern München spielen würden und erfolgreich in der Regionalliga mitmischen, hätte mir das wohl niemand abgenommen“, sagte Rigo Gooßen bei seiner Jubiläumsfeier. Er hat nie aufgehört zu träumen, auch wenn die Träume unrealistisch erschienen.
Dieser Glaube ist ansteckend. Wenn der Präsident daran glaubt, dass ein Dorfverein gegen Bayern bestehen kann, glauben es auch die Spieler. Wenn er überzeugt ist, dass nach jedem Rückschlag ein Comeback möglich ist, übernimmt der Verein diese Überzeugung.
Die Balance zwischen Realismus und Vision
Dabei verliert Rigo Gooßen aus Drochtersen nie den Realitätssinn. „Unsere Infrastruktur ist darauf gar nicht ausgelegt“, sagt er zur Dritten Liga. Er kennt die Grenzen des Machbaren. Doch innerhalb dieser Grenzen schöpft er jede Möglichkeit aus.
Das Nicht-Aufgeben bedeutet nicht, blind Unmögliches zu versuchen. Es bedeutet, das Mögliche konsequent zu verfolgen, auch wenn Hindernisse auftauchen. D/A übernimmt sich nicht, bleibt aber immer ambitioniert.
Das Vermächtnis der Standhaftigkeit
Mit 65 Jahren blickt der Präsident auf ein Leben voller sportlicher Herausforderungen zurück. Abstiege, deutliche Niederlagen, schwierige Saisonstarts – nichts konnte ihn von seinem Weg abbringen. Diese Standhaftigkeit ist sein vielleicht größtes Vermächtnis an D/A.
Der Verein hat gelernt: Aufgeben ist keine Option. Diese Mentalität unterscheidet D/A von vielen anderen Vereinen. Sie ist der Grund, warum ein Dorfverein aus Kehdingen deutschlandweit Respekt genießt.
Die Geschichte von Rigo Gooßen ist die Geschichte eines Mannes, der niemals aufgibt. Und weil er niemals aufgibt, gibt auch sein Verein niemals auf. Diese gegenseitige Ansteckung hat aus D/A gemacht, was es heute ist: ein Verein mit Charakter, Kampfgeist und der festen Überzeugung, dass nach jedem Rückschlag ein Comeback möglich ist.







